| |
KRITIK: Christian Alvart („Fall 39“), der mit „Antikörper“ international auf sich aufmerksam machen konnte, schrieb gerade an einer Science-Fiction-Story namens „No Where“, als eines Tages ein Drehbuch mit dem Titel „Pandorum“ bei ihm eintrudelte. Dieses Skript wies so viele Gemeinsamkeiten mit seiner eigenen Idee auf, dass er kurzerhand mit dem Autor Travis Milloy die beiden Geschichten zusammenpackte und weiterentwickelte. Das Produzentengespann um „Resident Evil“-Regisseur Paul W.S. Anderson mischte auch noch kräftig mit, und mit der Hilfe deutscher Filmfördermittel, entstand nun ein Endprodukt, welches durch Atmosphäre und Action brilliert, aber dank zahlreicher inhaltlicher Ungereimtheiten nur ansatzweise Alvarts Grundidee wiedererkennen lässt.
Science-Fiction-Filme greifen gerne auf aktuelle Themen zurück, um ein düsteres Zukunftsszenario daraus zu erdichten. In diesem Fall sind es die Themen Überbevölkerung und Ressourcenknappheit. Und da in der Film-Zukunft endlich ein erdähnlicher Planet entdeckt worden ist, wird nun fleißig ausgewandert, und das im deutlich größeren Stil, als wir es von den unsäglichen Reality-Dokus der Privatsender gewohnt sind. Ein Raumschiff mit tausenden Passagieren wird zu diesem neuen Planeten geschickt, doch irgendetwas ist schiefgelaufen. Zwei Mitglieder der Besatzung erwachen aus dem Hyperschlaf und können sich an nichts erinnern. Nach und nach versucht nun der Film, das Geheimnis aufzuklären, stellt von Zeit zu Zeit immer neue Charaktere vor, und befasst sich mit einer Geisteskrankheit, die schon eine vorherige Mission zum scheitern brachte: die titelgebende Erkrankung „Pandorum“. Mit vielen offen Fragen wird der Zuschauer schon zu Beginn bombardiert und über die gesamte Spieldauer ist man auf Antworten gespannt. Die klaustrophobische Atmosphäre nimmt einen Gefangen, die durchgehend dunklen Bilder sorgen für ein beklemmendes Gefühl und die lautstarke Musikuntermalung zehrt an den Nerven.
Nur scheint dies den Produzenten noch nicht genug zu sein. Etwas fehlt, um diesem Science-Fiction-Film noch die nötige Würze zu verleihen: Monster! Woher sie kommen und in welchen Maße sie der Story dienlich sind, weiß niemand so genau. Die eigentliche Geschichte und die Monster-Action wollen nicht so wirklich zueinanderpassen. Immerhin tut das der Spannung keinen Abbruch, viele Stellen erinnern sogar an große Filme wie „Alien“ oder „The Descent“. Dennoch ist es rückblickend betrachtet äußerst schade, wie sehr die Geschichte der Action den Vortritt und viele offene Fragen einfach unbeantwortet lässt. Logiklöcher so groß wie die Milchstraße tun sich auf und die Handlung schwächelt von Minute zu Minute mehr. Was genug Stoff für einen intelligenten Science-Fiction-Film gewesen wäre, entwickelt sich zum einem standardmäßigen SciFi-Actionfilm (mit der inzwischen vertrauten Wackelkamera und den schnellen Schnitten), mit teils zu oberflächlich gezeichneten Charakteren und einem etwas kitschigen Happy-End. Man merkt an vielen Stellen Paul W.S. Andersons Handschrift nur allzu deutlich: „Event Horizon- Am Rande des Universums“ und „Alien vs. Predator“ lassen grüßen!
Schauspielerisch ist alles im grünen Bereich. Hauptdarsteller Ben Foster („30 Days of Night“, „Todeszug nach Yuma“) meistert seine Rolle mit Bravour und sticht am meisten heraus. An seiner Seite spielt die bisher nur für Nebenrollen besetzte deutsche Schauspielerin Antje Traue („Phantomschmerz“, „Berlin am Meer“), die mit einer grundsoliden Darstellung aufwartet. Einen bekannten Namen muss das Filmplakat natürlich auch noch zieren und da kommt Dennis Quaid („Horsemen“, „The Day after Tomorrow“) ins Spiel, der den Großteil des Films wenig zu tun bekommt, aber am Ende dann doch noch eine tragende Rolle spielen darf. Eine souveräne Schauspielleistung Quaids, von dem wir aber schon deutlich besseres gesehen haben.
Insgesamt betrachtet ist Christian Alvart wirklich ein spannender und actionreicher Film gelungenen, der aber mit den vielen Handlungsschwächen zu kämpfen hat. Man merkt, dass „Pandorum“ aus zwei Geschichten zusammengewürfelt wurde. Das Endergebnis ist leider weder Fisch noch Fleisch, dürfte aber den actionorientierten Popcornkinogänger mehr als zufriedenstellen.
(Sebastian Wotschke)
|
|