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KRITIK: Der Franzose Alexandre Aja benötigte gerade mal zwei Filme, um in der Gunst der Horrorfilm-Fans ganz oben zu stehen. "High Tension", eine Mischung aus Psycho-Thriller und ultrabrutalem Slasherfilm, machte den Regisseur in Europa berühmt, "The Hills Have Eyes - Hügel der blutigen Augen" (Remake des Wes Craven-Originals aus den 70ern) dann sogar weltweit. Mit "Mirrors" will er seinen Ruf als großer Horror-Auteur ein weiteres Mal bestätigen, doch so ganz gelingt ihm das diesmal leider nicht.
Dabei ist die erste Hälfte des Films äußerst vielversprechend. Eine durchweg schaurige Atmosphäre und nervenzehrende Schockmomente sorgen für reichlich Gänsehaut. Das alte, abgebrannte Kaufhaus mit den riesigen Spiegeln ist dafür genau die richtige Location. Wie von Alexandre Aja gewohnt, sind die Morde wieder einmal hart und kompromisslos in Szene gesetzt, allerdings nicht annähernd so zahlreich wie in seinen vorherigen Werken. Der Film konzentriert sich mehr auf seine unheimliche Stimmung und auf psychologischen Horror, weswegen die Splattermomente diesmal eher etwas unpassend wirken, was aber vor allem Gorehounds kaum stören wird, denn die Effekte sind gewohnt erste Klasse. Auch über die Schauspieler gibt es nichts zu meckern. Kiefer Sutherland, der mit der Erfolgsserie "24" ein Comeback erlebte, schafft es in der Rolle des labilen Ex-Polizisten Ben Carson den Film praktisch alleine zu tragen. Aber auch Paula Patton, als Bens Ex-Frau, und Amy Smart, die Bens Schwester spielt, machen eine gute Figur. Leider ist Smarts Auftritt sehr kurz, aber ihre "Kiefer"-Szene wird wohl vielen Zuschauern noch länger im Gedächtnis bleiben.
Leider kann der Film dieses Niveau nicht über die gesamte Spieldauer halten. Ab dem zweiten Abschnitt versucht man Erklärungen für das Spiegel-Phänomen zu finden, welche aber die geheimnisvolle Stimmung ein wenig zerstören und manchmal plump daherkommen. Im dritten Abschnitt entwickelt sich dann der Plot zu einer Art Mischung aus "Der Exorzist" und "The Ring". Auch die Schockmomente werden weniger und sind nicht mehr so eindringlich. Es wird zu viel Wert auf eine Art Detektivgeschichte gelegt, wodurch sich plötzlich einige Längen einschleichen. Der Showdown sprüht dann vor Action und hinterlässt einen etwas faden Beigeschmack, der nur durch die Schlusssequenz noch einmal versöhnt. Unterm Strich kann man sagen, dass Alexandre Aja dank der ersten Hälfte einen soliden Horrorfilm geschaffen hat, der sich für einen gruseligen Filmabend durchaus eignet, aber nicht an die Qualität seiner vorherigen Filme, die schon Kultstatus genießen, heranreichen kann.
(Sebastian Wotschke)
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