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KRITIK: Richard Mathesons Roman „Ich bin Legende“ verbindet geschickt Horror-, Science-Fiction- und Dramaelemente und gilt als Inspirationsquelle für viele Filmemacher. Der lange Zeit in Vergessenheit geratene „The Last Man on Earth“, welcher zehn Jahre nach Erscheinen des Romans in die Kinos kam, ist die erste von ganzen fünf Verfilmungen und hält sich am nähesten an die Literaturvorlage.
Sonnenaufgang. Bilder von menschenleeren Straßen. Nirgendwo Leben. Unheilvolle Musik ertönt. Die Kamera fährt auf ein altes Haus zu. Dort erwacht gerade der einzige Überlebende einer Katastrophe. Seine Gedanken: „Another day to live trough, better get started.“ Schon die ersten zwei Minuten des Films versprühen eine unglaublich bedrückende Atmosphäre und an dieser Intensität soll sich über die gesamte Spieldauer nichts ändern.
Der im Jahr 1993 verstorbene Kultschauspieler Vincent Price meistert die Bürde den Großteil des Films völlig alleine tragen zu müssen. Mit seiner unverwechselbaren markanten Stimme lässt er den Zuschauer teilhaben an seinen Gedanken. Sein Spiel wechselt zwischen überlegter Gelassenheit und depressiver Resignation, die teilweise beinahe in den Wahnsinn abgleitet. Gerade zu exemplarisch für den Gemütszustand des letzten Überlebenden, ist die Szene als Robert sich alte Familienfilme ansieht. Zunächst mit einem freudigen Lächeln denkt er zufrieden an die Zeit zurück, doch dieses Lächeln wechselt bald zu einem verrückten, fast krankhaftem Gelächter, um dann schließlich in erbärmliches Weinen abzuklingen, als ihm schmerzlich bewusst wird, dass diese schöne Zeit längst Vergangenheit ist.
Wie man hier schon lesen kann, ist der Film kein reiner Horrorfilm, sondern schlägt gerade in der Mitte höchst dramatische Töne an. In Rückblenden erinnert sich Robert an den Ausbruch der Krankheit. Zunächst hält er die Geschichten um einen Virus, der die Menschen erst umbringt und schließlich ihn Vampire verwandelt, für Hirngespinste und Panikmache. Als dann aber auch seine Tochter und schließlich seine Frau erkranken, bemerkt er den Ernst der Lage. Zu spät! Der Virus lässt sich nicht mehr aufhalten und bald soll Robert der Letzte sein, der gegen ihn resistent ist.
Sollten Genre-Fans nun Angst bekommen, dass ihnen der Film bis auf ein tragisches Familienschicksal nichts bieten könne, so kann man Entwarnung geben. Gerade die Szenen wenn eine Horde Vampire Nacht für Nacht um Roberts Haus schleicht und ihn sein ehemaliger Freund fast hypnotisch immer wieder auffordert, dass Haus zu verlassen, dürften für einige Gänsehautmomente sorgen. Allerdings sollte man schon einen gewissen Faible für diese Art von Horrorfilm haben, denn im Gegensatz zu heutigen Standards, wirkt der Film aufgrund der damaligen filmischen Stilmittel, an vielen Stellen antiquiert, wenn auch äußerst sympathisch.
Die legendären Hammer Film Productions, unter anderem verantwortlich für die Dracula-Reihe mit Christopher Lee, sicherten sich schon sehr früh die Rechte an dem Stoff, verkauften ihn aber genauso schnell, aus Angst vor einer zu hohen Altersfreigabe, wieder an Robert L. Lippert, der den Film kostengünstig in Italien produzieren lies. Das niedrige Budget schimmert in jeder Minute des Films durch, verschafft ihm dadurch aber einen gewissen Charme, den gerade große Hollywoodproduktionen, wie beispielsweise die jüngste Romanverfilmung „I Am Legend“ mit Will Smith, zu großen Teilen vermissen lassen.
„The Last Man on Earth“ hält sich wie für Kenner zu erwarten nicht hundertprozentig an die Romanvorlage, wenngleich er sich auch nicht annähernd so viele Freiheiten nimmt, wie die nachfolgenden Verfilmungen. Das ist auch kaum verwunderlich, steuerte Richard Matheson selbst, unter dem Pseudonym Logan Swanson, einen großen Teil zum Drehbuch bei. Die erste Verfilmung ist auch die einzige, bei der es sich bei den Infizierten tatsächlich um Vampire handelt und nicht wie beispielsweise in „Der Omega-Mann“ um religiös fanatische, hochintelligente Mutanten. Die schlurfenden, wankenden Untoten erinnern übrigens nicht zufällig an die Zombies aus „Die Nacht der lebenden Toten“, hat Regisseur George A. Romero sich doch nicht nur von Richard Mathesons Roman sondern auch von der filmischen Adaption inspirieren lassen.
(Sebastian Wotschke)
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