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KRITIK: „Der Informant!“ erzählt die wahre Geschichte des Biochemikers Mark Withacre. Es geht um Preisabsprachen, Industriespionage und FBI-Ermittlungen. Wer jetzt ein Drama oder Wirtschafts-Thriller im Stile John Grishams (der im Film auch erwähnt wird) erwartet, irrt sich. Der Film ist eine waschechte Komödie, die das Ironische der Gegebenheiten herausstellt und sie sich so zurechtbiegt, dass dem Zuschauer vor Lachen Tränen in die Augen steigen. Zu Hundertprozent geglückt ist dieses Vorhaben zwar nicht, dennoch bleibt eine ungewöhnliche Kömodie mit einem starken Hauptdarsteller.
So hat man Matt Damon („Ocean's Thirteen“, „Good Will Hunting“) noch nicht erlebt. Mit falschem Schnauzbart, spießigen Anzügen und 15 Kilo zu viel auf dem Hüften, ist von dem „Sexiest Man Alive 2007“ nicht mehr viel zu erkennen. Mit viel Einsatz und Herz spielt er den undurchsichtigen und skurrilen Informanten. Man merkt ihm jederzeit die Freude an der Rolle an, und er verkörpert sie auf seine ganz eigene Art und Weise.
Der Film wird aus der Sicht Mark Withacres erzählt und immer wieder durch Voice-Over-Kommentare unterbrochen, die seine wirren Gedanken preisgeben, die meist gar nichts mit dem Geschehen auf dem Bildschirm zu tun haben. Das wirkt zunächst noch amüsant, wird mit der Zeit aber ein wenig ermüdend. Ebenso ist der Einsatz von knalliger 70er Jahre-Schrift oder die Untermalung durch Swing-Musik zwar zunächst erheiternd, nach einer Weile schenkt man diesen Stilmitteln aber kaum noch Beachtung.
„Der Informant!“ lebt von dem Verwirrspiel Withacres und den Zuschauern wird über die meiste Laufzeit ein großes Fragezeichen über den Kopf schweben. Warum tut er dies alles? Wann lügt er und wann sagt er die Wahrheit? Die Handlung ist über weite Strecken arg konfus und wirr, und fordert dem Kinogänger einiges an Konzentration ab. Doch wenn man durchhält, wird man mit einem aberwitzigen Finale belohnt, bei dem Withacres Verhalten endgültig so grotesk und bizarr wirkt, dass man aus dem Lachen gar nicht mehr rauskommt. Dies entschädigt die teilweise langgezogene und höhepunktarme Einleitung.
Nicht nur Matt Damon, auch die übrigen Darsteller wissen zu gefallen. Neben Melanie Lynskey („Two and a Half Men“, „Away We Go – Auf nach Irgendwo“) welche Marks treue Ehefrau spielt, die in jeder Situation zu ihm hält, ragen auf jeden Fall noch Scott Bakula („American Beauty“, „Lord of illusions“) und Joel McHale („Spider Man 2“, „Dogtown Boys“) heraus, die zwei überforderte FBI-Agenten spielen, die schon bald an Withacres überschäumender Fantasie verzweifeln. Eine netter Einfall war es, einige Rollen mit amerikanischen Stand-Up-Comedians wie Patton Oswalt („King of Queens“), Tony Hale („Arrested Development“), Tom Papa oder den legendären Smothers-Brothers zu besetzen. Dabei dürfen sie keine lustigen sondern ernsthafte Rollen verkörpern, was den Situationen eine gewisse Komik verleiht.
Steven Soderbergh („Erin Brockovich“, „Traffic – Macht des Kartells“) hat zwar keinen Blockbuster-Hit im Stile seiner „Ocean's“-Trilogie geschaffen, dennoch ist ihm nach seiner gelungenen, doch für viele Zuschauer schwer zugänglichen Che-Biopic, wieder eine leichte, kurzweilige Komödie gelungen.
(Sebastian Wotschke)
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