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KRITIK: „Crank“ war einer der ungewöhnlichsten Actionfilme der letzten Jahre. Durch den berauschenden Videolook und den unzähligen skurrilen Szenen, wurde er bei Genre-Fans schnell zum Kultfilm. Dass die Produzenten großes Interesse an einer Fortsetzung zeigten, wird bei dem Erfolg kaum jemanden verwundern. Wer allerdings den ersten Teil kennt, weiß, dass eine Fortführung der Geschichte eigentlich völlig abwegig ist. Das interessiert die Macher aber nicht im geringsten! War schon der Vorgänger alles andere als ein realistischer Action-Thriller, wird das Geschehen im Sequel bis ins Absurde gesteigert. Die Idee, dass Chev Chelios ein Kunstherz eingepflanzt wurde, was er nun ständig unter Strom setzen muss, ist genauso bescheuert wie genial! Zumindestens sorgt dieser Ausgangspunkt für einige bizarre Momente. Wer das nötige Humorverständnis hat, wird seinen Spaß haben. Überhaupt ist „Crank 2“ noch viel ironischer und nimmt sich noch viel weniger ernst, als es der erste Teil getan hat. Noch brutaler, schwärzer und anarchischer lautet hier die Devise.
Man kann von Glück reden, dass wieder Mark Neveldine und Brian Taylor auf dem Regiestuhl Platz genommen haben, die zunächst nur das Drehbuch beisteuern wollten. Sie führen den einzigartigen Look des Vorgängers fort. Wenn das Ende des ersten Teils zu Beginn als 2D-Retro-Videospiel nacherzählt wird, fühlen sich Fans sofort wohl. Auch vor der Kamera konnte man wieder den Cast aus Teil Eins verpflichten. Jason Statham („The Transporter“) gibt den Gangster noch cooler als zuvor und macht mit seiner Leistung sogar einem Bruce Willis Konkurrenz. Ganz in der Tradition der Action-Helden der 80er und frühen 90er Jahre. Die süße Amy Smart („Butterfly Effect“) darf wieder in die Rolle seiner durchgeknallten Freundin schlüpfen und stellt ein weiteres Mal ihr komödiantisches Talent unter Beweis. Die Chemie zwischen den Beiden stimmt einfach. Auch wieder mit von der Partie sind Schauspieler und Country-Sänger Dwight Yoakam („Panic Room“) als Doc Miles, Keone Young als Gangsterboss Don Kim und Efren Ramirez („Napoleon Dynamite“), der den Zwillingsbruder des in „Crank“ verstorbenen Kaylo spielt. Im Gegensatz zum ersten Teil, dürfen wir uns diesmal auf namhafte Cameos freuen, wie David Carradine („Kill Bill“, „Kung Fu“), der den 100-jährigen Poon Dong spielt, oder „Troma“-Chef Lloyd Kaufman, Ex-Spice Girl Gery Halliwell, Porno-Legende Ron Jeremy und und und ...
Warum die Fortsetzung letztendlich allerdings nicht mit dem ersten Teil mithalten kann, liegt daran, dass man diesmal einfach zu viel wollte. So amüsant die abgedrehten Einfälle, wie die Godzilla-Szene oder der 100-jährige Lustgreis, auch sind, schießt man gleichzeitig auch über das Ziel hinaus. Es ist zwar schön, dass man das Ganze nicht allzu ernst nimmt, aber an vielen Stellen ist es einfach schon zu übertrieben und surreal. Weniger ist manchmal eben doch mehr. Zudem fehlt dem zweiten Film die Eigenständigkeit des Vorgängers. Auch wenn es den Fan freuen wird, Markenzeichen des ersten Teils wiederzusehen (ich sag nur Google Earth), werden einige Einfälle, die damals noch originell waren, einfach kopiert und eine Schippe drauf gesetzt. Für die, die es sich jetzt schon denken können: Ja, auch diesmal gibt es wieder Sex in der Öffentlichkeit. Weiterhin ist überraschend, dass „Crank 2“ tatsächlich weniger temporeich als der Vorgänger ist, weil der Film durch manche Szenen (Talk-Show, Psychiaterin usw.) einfach ausgebremst wird. Das soll aber vor allem Anhänger des ersten Teils nicht davon abhalten eine Kinokarte zu lösen. Der Film macht nämlich dank der vielen abgefahren Ideen, dem coolen Hauptdarsteller und der rasanten Action immer noch richtig Spaß. Ich bin gespannt, was den Machern bei „Crank 3“ alles einfällt ...
(Sebastian Wotschke)
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