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KRITIK: Borat ist wieder da! Na ja, zumindestens fast. Nachdem der umstrittene, britische Komiker Sacha Baron Cohen („Sweeney Todd“) schon seinen Figuren Ali G. und dem bereits erwähnten kasachischen Fernsehreporter ein filmisches Denkmal gesetzt hat, darf nun Cohens nächstes „Alter Ego“ ran: der homosexuelle, österreichische Modejournalist Brüno. Wie schon beim erfolgreichen Vorgänger „Borat“ setzt Cohen wieder auf eine Mischung aus inszenierter Komödie und Dokumentation. Dabei wird teilweise das Konzept 1:1 kopiert, was leider auf den ersten Blick etwas abgenutzt erscheint. Auch der Ablauf der Geschichte wird einige Erinnerungen hervorrufen, z.B. die Beziehung zu Brünos Sidekick Lutz. Das der Film im Gesamteindruck dennoch Borat übertrifft hat mehrere Gründe. Zum einen legt Cohen diesmal weniger Wert darauf alle Einfälle in die Geschichte integrieren zu müssen. In Brüno kletter er deutlich mehr von einer verrückten Idee zur nächsten und lässt die Rahmenhandlung im Hintergrund. Das bietet deutlich mehr Platz für Improvisationen und provokante Aufnahmen. Gerade was die Härte betrifft, setzt Brüno im Vergleich zu Borat noch einen drauf. Wo andere Komiker einen Strich machen, übertritt Cohen diese Grenze und führt jede Idee wirklich bis zum Schluss aus. Vor nichts scheint Sacha Respekt zu haben, lediglich eine Szene, in der er LaToya Jackson in einem Interview auf ihren Bruder Michael anspricht, wurde nach dessem Tod aus Pietätsgründen geschnitten.
„Brüno“ ist wieder geprägt von unbeschreiblichem Gross-Out-Humor, der zarte Gemüter mit den Ohren schlackern lässt. Seien es die Sexspiele mit seinem Pygmäen-Lover, der Besuch einer Swinger-Party oder Anal-Bleaching: Der Witz des Films ist nun wirklich nicht Jedermanns Sache. Umso erstaunlicher ist es, dass seine Art von primitiven Humor, nicht einfach nur geschmacklos ist, sondern auch den Großteil über äußerst intelligent und ironisch. Wieder einmal hält er der amerikanischen Gesellschaft den Spiegel vor. Intoleranz, Ruhmgeilheit, Rassismus und in erster Linie Schwulenfeindlichkeit. Nicht Brüno ist es, über den man den Kopf schüttelt, sondern seine Interviewpartner sind es. Da werden Eltern gezeigt, die keine Skrupel haben, für ein Photoshooting ihre Kinder einer Fettabsaugung zu unterziehen. Pfarrer, die Homosexualität verteufeln und Schwule zur Heterosexualität bekehren wollen. Oder Prominente, die kein Problem damit zu haben scheinen, wenn billige, mexikanische Arbeitskräfte als Möbelstücke fungieren. Die Reihe der Szenen lässt sich beliebig fortsetzen, in denen einem praktisch das Lachen im Halse stecken bleibt. Welche diskriminierende Äußerungen Cohen als homosexueller Reporter den Leuten entlockt ist schier unglaublich und gleichzeitig grandios komisch. Gerade das „romantische Finale“ trifft die Aussage des Films genau auf den Punkt.
Abseits der Realsatire bietet „Brüno“ immer wieder Szenen, die fernab jeglicher Aussage und völlig sinnfrei sind. Wer aber einen gewissen Faible für diesen anarchischen Humor hat und nicht zimperlich ist, wird großen Spaß haben, denn die Trefferquote der Gags ist während der gesamten Spieldauer erstaunlich hoch. Manches ist zwar vorhersehbar, wie die Anspielungen des österreichischen Modereporters auf Adolf Hitler, aber das gehört einfach irgendwie dazu. Auch Seitenhiebe auf die heile Promiwelt ließ sich Cohen nicht nehmen z.B. der „Trend“ der Stars Kinder zu adoptieren. Einige bekannte Gesichter haben ihre (unfreiwilligen) Auftritte, wie Harrison Ford oder Bono. Cohen teilt in alle Richtungen aus und lässt sich auch einen Besuch im nahen Osten nicht nehmen. Bis auf die bereits angesprochene Tatsache, dass „Brüno“ das „Borat“-Konzept nur wiederholt, lassen sich kaum Kritikpunkte ausmachen. Man muss sich aber klar machen, dass auf Grund des primitiven Humors nicht jeder Gefallen an dem Film finden wird. Wer mit „Borat“ schon nichts anfangen konnte, sollte einen großen Bogen um „Brüno“ machen!
(Sebastian Wotschke)
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